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21.09.2014

Lohengrin

Opernhaus Zürich | 21.9.2014 | 17.00

 

Romantische Oper in drei Aufzügen von Richard Wagner
Libretto vom Komponisten

Elsa von Brabant ist in Bedrängnis: Sie ist angeklagt, ihren Bruder ermordet zu haben, um selbst an die Macht zu gelangen. Mit menschlichem Verstand lässt sich der Fall nicht klären, also soll ein Gottesgericht entscheiden. Aber niemand wagt es, im Schwertkampf die Unschuld der jungen Frau zu beweisen. Da erscheint ein ge­heimnisvoller Ritter, der verspricht, für sie zu kämpfen und mit ihr die Ehe zu schliessen. Er stellt allerdings eine Bedingung: Nie darf Elsa nach dem Namen und der Herkunft ihres Gatten fragen… Die Forderung scheint masslos, so masslos wie Leben und Werk des Komponisten, der diese Geschichte erdacht hat. In einem mittelalterlichen Epos hatte Wagner die Idee des bedingungslosen Vertrauens entdeckt, die ihn in ihrer Radikalität faszinierte. Der Gedanke, es könnte möglich sein, ohne Fragen, Angst und Zweifel, im ungebrochenen Glauben an die Güte, Aufrichtigkeit und Humanität des Gegenübers zu leben, ist gross. Gross und lebensfern – wie alle Utopien. Lebensfern, welt­fremd – und schön wie nur unerfüllbare Träume sein können. Ihr Scheitern ist unausweichlich! Unausweichlich, so lange die Welt so ist und bleibt, wie sie ist. Aber Wagner, der radikale Revolutionär, der begeisterte Max-Stirner-Leser und Michail-Bakunin-Freund, will eine andere Welt. Und er will sie hier und jetzt, nicht auf irgendeiner Insel der Seligen oder im Jenseits, das die Kirche verspricht. Für diese Idee ging er in Dresden auf die Barrikaden, für sie nahm er das Exil auf sich, für sie hat er unermüdlich komponiert, gedichtet, agitiert, ihr ist er zeitlebens treu geblieben. Wagner träumt wie seine Helden von einer Welt, in der die Liebe nicht zum Scheitern verurteilt, in der fragloses Vertrauen nicht sträfliche Naivität ist. Eine Welt, in der Wahrheit ist und durch die Realität nicht widerlegt wird, was Elsa ausspricht: «Es gibt ein Glück, das ohne Reu’.»